1997 – Das tödliche Tagebuch
Kann man mit einem Tagebuch töten? - Mit Sicherheit nicht, werden Sie jetzt antworten. Aber das, was in einem Tagebuch aufgezeichnet ist, insbesondere wenn der Verfasser viele Leute kennt und viel in der Welt herumkommt, kann schon tödliche Wirkung haben. Das meint auch Francis Durbridge, und wer sich noch an Das Halstuch oder „Melissa“ erinnert, wird dies gern glauben. Die Trinitatis-Theatergruppe glaubte es auch, als sie dieses Stück auswählte.
Was Sie damals erwartete: Das gepflegte Heim eines erfolgreichen englischen Romanschriftstellers (Golfspieler), in Scheidung lebend, mit einer gerade noch minderjährigen Tochter. Er ist dabei seine Memoiren zu schreiben, statt an den nächsten Bestseller zu denken. - Allein schon Stoff genug für ein Boulevardstück! Er war gerade im Ausland, seine Noch-Ehefrau auch. Beide wurden dabei beobachtet, aber von wem? Scotland Yard vielleicht - aber da kann man so seine Zweifel haben. Und warum wurden sie beobachtet? Bis die Zuschauer das herausbekamen, war die Pause längst vorbei. Und dann passiert ab und zu mal ein Mord – auf offener Bühne, aber natürlich ganz vorsichtig, damit die Zuschauer in den ersten Reihen keine Blutspritzer auf die Kleidung bekommen. In der Pause wurde schon eifrig gewettet, ob die Sekretärin, der Golflehrer oder der Kunsthändler der Drahtzieher ist.
Man mag es kaum glauben! Aber kurz vor unserer Aufführung haben wir es erreicht, an den Autor, Francis Durbridge, zu schreiben. Und hier ist die Übersetzung seines Antwortschreibens:
Sehr geehrter Herr Oliver Borchert,
ich bin sehr erfreut zu hören, dass mein Stück „Tödliches Tagebuch“ in Berlin aufgeführt werden soll.
Es war sehr beliebt in England. Ich hoffe, dass die Berliner es mögen und einen anregenden Abend im Theater haben.
Meine besten Wünsche an den Regisseur und die Schauspieler.
Francis Durbridge starb am 11. April 1998 in London.