1981 – Ein Inspektor kommt
Mit diesem für uns sehr schwierigen Stück (wir haben 20 Monate intensiv geprobt) eröffneten wir im Oktober die neu gegründeten Moabiter Theatertage!
10 Jahre Trinitatis-Theatergruppe – Grußwort in St. Thomas Informationen vom Dezember 1981, geschrieben von Gabriele Stieler:Zum 10-jährigen Bestehen der Trinitatis-Theatergruppe fanden an 2 Abenden Festaufführungen im Haus der Kirche statt. Das Schauspiel in 3 Akten Ein Inspektor kommt stammt von dem englischen Schriftsteller und Dramatiker John Pristley und spielt im Jahr 1912 in England.
Eine Fabrikantenfamilie feiert die Verlobung der Tochter. In diese Feier platzt ein Inspektor namens Goole herein, um ihr die Schuld am Selbstmord eines Mädchens vorzuwerfen. Jedes einzelne Familienmitglied wird von ihm verhört und angeklagt. Der Fabrikant entließ das Mädchen, da es mehr Lohn verlangte. Nachdem das Mädchen mühsam eine neue Anstellung in einem Modegeschäft gefunden hatte, wurde es durch die schlechte Laune der Fabrikantentochter, die in diesem Geschäft Stammkundin war, entlassen. Auch der Sohn und der Schwiegersohn blieben von der Anklage des Inspektors nicht verschont. Der Schwiegersohn lernte das arbeitslose Mädchen in einer Bar kennen, erkannte dessen Not und gab ihm eine zeitlang Geld und Unterkunft; doch über seine Geschäfte und Reisen vergaß er es. Auch der Sohn, ein Trinker, lernte dieses Mädchen in der Bar kennen. Um ihm zu helfen, stahl er Geld von seinem Vater. Als das Mädchen davon erfuhr, trennte es sich von dem Sohn. Als letzte Rettung wandte es sich nun – da es ein Kind von dem Sohn erwartete – an das Frauenhilfskomitee. Deren Vorsitzende, die Fabrikantenfrau, verweigerte dem Mädchen jedoch jegliche Hilfe. Nachdem der Inspektor das alles erfahren hatte, verließ er die Familie, die sich über die Schuldfrage an diesem Selbstmord stritt. Schließlich hatte man die Idee, einmal nachzufragen, ob es überhaupt einen Inspektor Goole gab. Auf dem Polizeirevier kannte niemand einen Inspektor mit diesem Namen. Ja, aber wer war denn dann dieser Inspektor, der mit ihnen so hart ins Gericht gegangen ist? Jeder hatte da eine andere Meinung, und zum Schluss stellte man sich die Frage, ob dieses Mädchen überhaupt Selbstmord begangen hatte. Durch einen Anruf im Krankenhaus erfuhr die Familie, dass es seit Monaten keinen Selbstmord mehr gegeben hatte. Erleichtert darüber, dass ja doch alles nur Schwindel war, feierte man die Verlobung weiter. Doch plötzlich kam ein Anruf von der Polizei, dass ein Mädchen namens Eva Smith Selbstmord begannen hätte. Damit endete das tragische Schauspiel.
Selten hat mich ein Stück so fasziniert und begeistert wie dieses. Die Darstellung war sehr realistisch, und das Gewissen – in Gestalt von Inspektor Goole (gespielt von Thomas Dyhring) - wurde sehr deutlich dargestellt. Das Jubiläumsstück fand großen Anklang, und man kann nur hoffen, dass die Trinitatis-Theatergruppe weiterhin soviel Erfolg hat wie mit diesem Stück. Wir wünschen ihr dazu viel Glück.
Übrigens: Nach zehnjährigem Bestehen der Gruppe hatte die Liste der aktiven und ehemaligen Teilnehmer schon 36 Einträge. Von denen waren 2000 immer noch sieben Mitglieder dabei.