2017 - „Gefahr im Verzug! Bringen Sie Zwangsjacken mit!“

Ein Artikel über Pension Schöller (2017)
Diese Aufforderung erscheint dem Publikum dieses turbulenten und humorvollen Stückes eine angemessene. Durch die Anfangsszene in einem altertümlichen Café werden dem Zuschauer erst einmal einige sehr spezielle Charaktere präsentiert, die im weiteren Verlauf des Stücks, sehr zum Amüsement des Publikums, ihre Marotten perfektionieren. Beispielsweise lernt man einen jungen Mann kennen dessen Sprachfehler in seinen Goethe Lesungen, den Zuschauer durchaus irritiert und auch belustigt, jedoch vor allem durch die schauspielerische Herausforderung dieser Rolle beeindruckt. Auch ein cholerischer Major, eine neugierige Schriftstellerin und die Familie Klapproth tragen zu dem bunten Treiben des ersten Aktes bei. Das Stück nähert sich nun seinem Kern. Der Zuschauer erfährt, dass Onkel Klapproth, in ausgezeichneter Manier gespielt von Werner Johanus, um sein gesellschaftliches Ansehen zu erhöhen, einer Soiree in einer Irrenheilanstalt beiwohnen möchte. Sein Neffe, motiviert durch finanzielle Ermunterungen, macht dies vermeintlich möglich. Hindurch durch Irrungen und Wirrungen endet das Stück in einem dynamischen, aufregenden und sehr überzeugend gespielten letzten Akt. Das Publikum erfreut sich als allwissender Beobachter an den Verwirrungen und Auflösungen der komplexen Geschichte. Das Stück ist insgesamt gut gelungen und nimmt nach der Pause noch einmal Fahrt auf, um den Zuschauer auch im letzten Akt auf dem Sitz zu bannen. Die schauspielerische Leistung ist in Gänze sehr überzeugend. Die herauszustellenden schauspielerischen Fähigkeiten, wie die des Onkel Klapproth, seiner Schwester Ulrike oder des jungen kellnernden Goethe geben dem Stück den letzten Schliff und machen den Theater Abend zu einem vollen Erfolg. G. Sen